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Neues aus dem verlag regionalkultur

Zahlreiche „Erinnerungsorte“ der 400-jährigen Geschichte Mannheims sind noch heute im Stadtbild sichtbar, auch wenn Zeit und Umstände ihres Entstehens aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden sind. Dies veranlasste Autorinnen und Autoren, diese in den „Mannheimer Geschichtsblättern“ erneut in den Blick zu rücken. Sie thematisieren die noch in kurfürstlicher Zeit begonnenen Neckardurchschnitte zwischen Feudenheim und Neckarbrücke, das barocke Treppengeländer im Haus eines Leibarztes der Kurfürstin in C 4, 6, die später im dortigen Nebengebäude eingebaute Toilette, die Gartenpavillons u.a. in der Oststadt, die Bundesgartenschau von 1975, aber auch die Entwicklung des Mannheimer Rotlichtmilieus.
Den dunkelsten Jahren der deutschen Geschichte gewidmet sind die Beiträge zum Weinheimer Unternehmer Freudenberg und der „Arisierung“ der Lederfirma Hirsch, die neue Präsentation der Häftlingskleidung in der KZ-Gedenkstätte Sandhofen sowie die Entrechtung und Ausgrenzung der jüdischen Familie Sonnemann sowie ihren Weg ins amerikanische Exil.
Weitere Beiträge widmen sich der Ausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen zum Werk des französischen Fotografen Gaston Paris, neuen Quellen im MARCHIVUM, den digitalisierten Verlassenschaftsakten und den Dokumenten zur Einführung des Führerscheins in Mannheim, sowie nicht zuletzt dem innovativen Beitrag der Handelshochschule zur deutschen Bildungsgeschichte.
Die in der Oberlausitz gelegene, mittelalterliche Stadt Bautzen, auch sächsisches Nürnberg genannt, wurde vor einigen Jahrzehnten kurz vor ihrem Zerfall mit immensem Aufwand touristengerecht restauriert. Doch die an der Oberfläche heute anmutig erscheinende Idylle der Partnerstadt Heidelbergs trügt.
Trotz etlicher Prunkbauten, moderner Einkaufsmeilen und einer legendären Senfproduktion, die vom Stadtmarketing allenthalben hervorgehoben wird, hat sich an einigen Stellen eine urbane Tristesse erhalten, deren besondere Atmosphäre in diesem Buch in Wort und Bild zusammen mit anderen Sachverhalten, wie der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums, dem „Wutbürgertum“ und der politischen Polarisierung festgehalten wird. Anhand der langen Geschichte Bautzens wird aufgezeigt, wie sich die „Wertehaltungen“ der Bevölkerung an die Zeitläufe angepasst haben. Es gab und gibt helle Seiten mit Respekt und Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Minderheiten, aber auch dunkle Schatten, zu denen vor nicht allzu langer Zeit Folterungen und Morde in politischen Zuchthäusern sowie vielfache Restriktionen der Obrigkeit gegen die eigene, im „Tal der Ahnungslosen“ lebende Bevölkerung zählten. 30 Jahre nach der Wende erfährt eine nicht unumstrittene Form von „Heimatliebe und -schutz“ eine spürbare Renaissance.

Wer Bautzen versteht, versteht auch manches aus der ehemaligen DDR, und wer die Einstellungen aus DDR-Zeiten versteht, versteht die innerdeutsche Zerrissenheit von heute.
Auch in diesem Jahr waren wieder mit vielen unserer Publikationen auf den Bücherschauen in Karlsruhe und Stuttgart präsent. Wir freuen uns, dass die Bücher so breite Resonanz gefunden haben und hoffen, dass der eine oder andere vielleicht sogar ein Weihnachtsgeschenk gefunden hat. Anbei ein paar Eindrucke von unserem Stand auf der Bücherschau in Karlsruhe.
Das hier erstmals veröffentlichte Werk des Malers Rudolf Gleichauf dokumentiert in Bild und Text die als Trachten bezeichneten Bekleidungsmoden ländlicher Bevölkerungskreise im Großherzogtum Baden des 19. Jahrhunderts. Von 1861 bis 1869 fertigte Gleichauf im Auftrag des badischen Großherzogs 39 Aquarelle sowie ausführliche Beschreibungen an, die Einblicke in eine vermeintlich geschlossene bäuerliche Kultur als „bedrohter Lebensart“ boten. Mit dem Bild der Tracht wurden visuelle Symbole geschaffen, die eine bürgerliche Sehnsucht nach Kontinuität, Stabilität und Identität erfüllten und eine sich verstetigende Tradition stiften sollten. Gleichaufs Werk zählt zu den ersten Erwerbungen der Ende des 19. Jahrhunderts geschaffenen volkskundlichen Sammlung in Karlsruhe, die in den Bestand des 1919 gegründeten Badischen Landesmuseums überging.
Aus heutiger Sicht stellt Rudolf Gleichaufs Arbeit eine für die Historiografie des Großherzogtums Baden außergewöhnliche kulturgeschichtliche Quelle dar und 150 Jahre nach Fertigstellung der Auftragsarbeit füllt diese kritische Quellenedition auch eine große kostümhistorische Lücke.
Das zum 1250. Jubiläum der Ersterwähnung Walldorfs herausgegebene und reich bebilderte Werk bietet viel Neues aus den zurückliegenden Jahrhunderten. Das wurde auch bei der Lesung im Foyer des Rathauses am 22.11. deutlich, zu der die Stadt Walldorf in Person von Frau Bürgermeisterin Christiane Staab eingeladen hatte. Die positive Resonanz auf die gut besuchte Veranstaltung zeigt, dass das das unterhaltsame und informative Buch in Walldorf (und darüber hinaus) sich eine begeisterte Leserschaft erschlossen hat. Die Autoren Klaus Ronellenfitsch, und Jürgen Kamm sowie Werner Sauer und Andy Herrmann (im Bild v.l.n.r.) lasen bei der Veranstaltung vor interessiertem Publikum aus ihren Beiträgen.

Das Buch gibt in vielen Zusammenhängen wertvollen Aufschluss über Details der Ortsgeschichte und bietet ein kurzweiliges Lesevergnügen. Alle Walldorfer Bürgerinnen und Bürger, die sich mit ihrem neuen, angestammten oder ehemaligen Heimatort verbunden fühlen, werden an der Lektüre dieses Werkes ihre Freude haben.
Wohnungsnot, Gemeinschaftssinn und die Idee vom Eigenheim prägten die Siedlungsgeschichte von Stuttgart-Büsnau. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fanden dort Buchenländer Flüchtlinge Heimat und Arbeit. Unter zum Teil katastrophalen hygienischen Bedingungen hausend und in undichten und notdürftig eingerichteten Holzbaracken lebend, trieben die Buchenländer zusammen mit Erst- und Altsiedlern den Aufbau voran. Gemeinsam radierten sie den vormals rasseideologisch geprägten SA-Siedlungsansatz aus den Köpfen und Herzen der Bevölkerung aus.
In seiner diachronen Studie beschreibt Folkmar Schiek erstmals die Siedlungsgeschichte von Stuttgart-Büsnau und legt damit ein Standardwerk zum Thema vor. Fundiert beleuchtet er die Entwicklungen und vergleicht dabei die Siedlungsansätze zwischen 1930 und 1960 in einer Zeit, die von Krieg, Nationalsozialismus und Weltwirtschaftskrise geprägt war.
1969 – ein aufregendes Jahr: Menschen landeten auf dem Mond und die Welt schaute erstaunt an den Fernsehgeräten zu. Bundeskanzler Willy Brandt leitete eine Zäsur im Zeitalter des Kalten Krieges ein. Das Woodstock-Festival im „Sommer der Liebe“ wurde zum Symbol für Gewaltfreiheit und freie Liebe. Vor dem Hintergrund der großen Weltgeschichte wird – um dem gestiegenen Bedarf nach besseren Bildungschancen Rechnung zu tragen – in Sindelfingen ein neues Gymnasium gegründet und nach dem im Spätmittelalter hier ansässigen Chorherrenstift benannt.
Ein halbes Jahrhundert Schulgeschichte bedeutet Bildung, Bücher, Wissenschaft, Lernen, Klassenarbeiten und Hausaufgaben. Aber nicht nur das: Für Tausende von Schülerinnen und Schülern war und ist das Stiftsgymnasium Sindelfingen ein geschützter Ort, an dem man neue Freundschaften knüpft, in Klassen eine Gemeinschaft aufbaut und als Schule das Miteinander pflegt. Das ist in der neuen, reich bebilderten Schulchronik des Stiftsgymnasiums zu seinem 50-jährigen Bestehen zwischen allen Zeilen zu lesen – „Das Stifts sind wir!“ Mit einem 16seitigen Beiheft der Abiturjahrgänge.
Am Valentinstag 1613 heiratete Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz und Haupt der Protestantischen Union, die englische Königstochter Elisabeth Stuart in London. Keine andere dynastische Verbindung erfuhr zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine vergleichbare Aufmerksamkeit wie die „Hochzeit von Themse und Rhein“. Selbstdarstellung als Wesensmerkmal frühneuzeitlicher fürstlicher Festkultur unter Einsatz „multimedialer“ Präsentationsformen und Einbindung des politisch-konfessionellen Kontextes war bei diesem außergewöhnlichen Ereignis allgegenwärtig. Daraus ergibt sich ein breites thematisches Spektrum, das in dem vorliegenden Band von internationalen Autorinnen und Autoren aus den unterschiedlichen Perspektiven ihrer Disziplinen wie Geschichte, Kunstgeschichte, Theologie und Literaturwissenschaft betrachtet wird. Es rücken hierbei sowohl die Hochzeitsfeierlichkeiten selbst als auch die daran anschließenden ersten Ehejahre des kurfürstlichen Paares in Heidelberg in den Fokus, bis zu Friedrichs schicksalhafter Annahme der böhmischen Königskrone 1619.
Mai 1525. Die Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit. In den deutschen Landen brodelt es. Von der neuen Evangeliumslehre angestachelt, erheben sich vielerorts Untertanen gegen ihre Herrscher. Für einen Augenblick hält das Rad der Geschichte knarzend inne: Alles scheint möglich. Während die Aufständischen hoffnungsvolle Pläne schmieden und die Fürsten ihre Heere zusammenziehen, sammelt sich im Kraichgau ein neuer Haufen. Ihr Hauptmann ist ein Geistlicher namens Anthonius Eysenhudt – Anton Eisenhut. Eine Gestalt, die im vorliegenden Werk eine umfängliche Neubewertung erfährt. Die Grundlagen hierfür werden in der Besprechung von Charakteristika der Landschaft, von vorangegangenen Unruhen sowie des reformatorischen Einflusses auf 1525 geschaffen. In großer Ausführlichkeit und Detailtiefe werden dann im Kern der Arbeit – dem Revolutionsteil – die Empörung und ihre Folgen unter die Lupe genommen. Intensiv und kritisch werden zeitgenössische Berichte herangezogen; zugleich gründet sich die Untersuchung auf dem aktuellen Wissensstand der modernen »Bauernkriegsforschung«. Daher wird die Erhebung der Kraichgauer nicht als isoliertes Ereignis behandelt, sondern durch Einpassung in den größeren Rahmen besser begreifbar: als Ausdruck einer hochdynamischen und kritischen Phase der Revolution von 1525.
Der Düsseldorfer Fotograf Anton Tripp dokumentierte 1963 den damaligen Metallarbeiterstreik in der Industriemetropole Mannheim. Ein großer Teil dieser fotografischen Aufnahmen findet sich in den Sammlungen von Udo Achten, viele weitere im Ruhr Museum Essen. Ein Autorenteam um Horst Steffens hat nun diese Bestände gesichtet und rund 70 Fotografien ausgewählt, die in diesem Quellenband präsentiert werden. Sie bieten einen lebendigen Querschnitt der Ereignisse und Akteure, portraitieren Männer, Frauen sowie ausländische Mitarbeiter, die am Streikgeschehen teilnehmen. Atmosphärisch wird die „Volksfeststimmung“ an einem 1. Mai ebenso eingefangen wie der Alltag von Streikposten vor den Werkstoren. In mehreren Artikeln wird das Streikgeschehen von 1963 nachgezeichnet. Gewerkschaftliche Akteure des damaligen Arbeitskampfes werden als Zeitzeugen interviewt, und es entsteht auf diese Weise ein eindrucksvolles Bild der damaligen Geschehnisse. Durch die Kamera von Anton Tripp geschaut stehen – ebenso wie in den Zeitzeugen Interviews – die Akteure im Mittelpunkt, die diesen von der IG Metall organisierten Streik führen.
Siegfried Blum hat in diesem Buch sämtliche Häuser Oberprechtals, die bis 1950 errichtet wurden, mit ihren jeweiligen Besitzern verzeichnet. Aus seiner umfangreichen Sammlung werden sie auch in Abbildungen vorgestellt, überwiegend mit alten Aufnahmen und nur, wenn dies nicht möglich war, mit neueren Fotografien. Weitere Abbildungen dokumentieren die Entwicklung Oberprechtals seit dem 19. Jahrhundert. Ergänzend hat Heiko Haumann einen Überblick zur Geschichte Oberprechtals beigefügt. Siegfried Blum hat mit diesem Werk, das ein Ergebnis lebenslanger Forschungen darstellt, eine wichtige Grundlage für die Orts- und Familiengeschichte geschaffen.
Dieses Buch ist eine abenteuerliche Zeitreise durch die Welt der Schwarzwaldsagen. Denn wo, wenn nicht im Schwarzwald kann man sie noch finden – Gespenster, Hexen, verborgene Schätze und mystische Orte? Vieles von dem, was uns in Sagen als außergewöhnlich und übersinnlich begegnet, gibt es nach Ansicht des Verfassers tatsächlich, auch in unserer Zeit. In diesem Band stellt er nicht nur zahlreiche Sagen des Nordschwarzwaldes vor, sondern beleuchtet auch ihre historischen Hintergründe und Deutungen. Das macht dieses Buch zu weit mehr als einer einfachen Sagensammlung!
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