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Licht Ernten
 
 
 

Licht Ernten

Satire und Poesie – Mannheimer Mundart und Hochdeutsch

ISBN: 978-3-89735-754-9

24 x 17 cm, fester Einband

14,80 € *
 
 
 
 
 

Was macht ein Zugereister aus dem Norden Deutschlands, der seit vielen Jahren in der Pfalz lebt, wenn er ein Buch von Hans-Peter Schwöbel in der Hand hält?

Aufschlagen, lesen, lesen, weiterlesen… staunen, probieren, schmecken, nachdenken, genießen.

Es ist ein ganz eigener Unterschied des Erlebens, Empfindens, eine Mundart zu hören oder zu lesen. Beides hat seinen Reiz und es hat seinen Reiz, beide Formen zusammenzubringen. Ich habe Schwöbel gesehen und gehört, seine Intensität des Vortrages, die Begeisterung, sein Engagement für diese Sprache empfunden, die Worte, das Kosten der einzelnen Vokale und Konsonanten erlebt. Die Vokale und Konsonanten, die die Anzahl der in der Schule zu lernenden Buchstaben bei weitem übersteigen und die so vielen unterschiedlichen Gefühlen Ausdruck geben.

Ich halte das Buch „LICHT ERNTEN“ von Hans-Peter Schwöbel in der Hand. Ich lese und die – wie es dem ungeübten Auge scheinen könnte – willkürlich zusammengestellten Buchstaben fügen sich zusammen, formen sich zu Worten, ergeben Klang, ergeben Rhythmus, ergeben Sinn, führen mich zum nächsten Wort, zum nächsten Satz, nehmen mich gefangen, verzaubern mich… bis ich mich in diesem anderen Land zuhause fühle, fühlen möchte, denn ach, ich kann es hören und fühlen, aber ich kann es selbst nicht sprechen und wenn ich den Mund aufmache, geht es mir wie einem Raben, der versucht, die Nachtigall nachzuahmen: Es kommt nur ein unsauberes Gekrächze heraus.

So geht es mir. Aber das ist ja kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Ich kann ja weiter lesen und die Sprache in meinem Inneren, im Hirn wirken lassen, sie genießen und in ihr, mit ihr denken – denn das geht merkwürdigerweise: So wie ich lese, gehen die Worte, geht die Sprache in mich hinein, ich erinnere mich, wie ich sie gehört habe und dabei denke ich, es seien meine Gedanken und Worte, weil ich jedes Wort koste, schmecke, mir einverleibe, verdaue – auch wenn ich mit diesem Vorgang die Urform nicht mehr herstellen kann.

Und wenn ich meinen ersten Hunger gestillt habe, dann schaue ich auch mehr und mehr auf Inhalte, lasse mich verblüffen, überzeugen, finde meine (bisher womöglich unfertig gedachten) Gedanken bestätigt oder angestoßen, weiter zu denken. Ich gehe über den Dürkheimer Wurstmarkt, esse eine Bratwurst bei der Glühweinkerwe am Wasserturm, denke darüber nach, wie man Menschen dazu bringen kann, mehr zu lesen, anstatt in die Glotze zu gucken, lasse mich durch „Das Hohelied der Liebe“ verzaubern, lerne, was ich machen muss beziehungsweise nicht machen muss, wenn meine Frau im Schnee ausrutscht, informiere mich über den Zusammenhang zwischen Sparpaketen, Logik, Politik und Physik einschließlich Unschärferelation, rufe mir in Erinnerung, dass nicht nur das Fahrrad, sondern auch das Auto und der Traktor in der Kurpfalz erfunden wurden und erfahre, wie das mit dem Rheingraben zusammenhängt, erfreue mich an der Ableitung der Abschiedsformel „Alla Tschüss“, sinniere über die Zusammenhänge zwischen Fukushima und Grammatik, lasse die Unterschiede zwischen Gedanken und Gefühlen auf mich wirken, ärgere mich über korrupte Politiker und Menschen, die sich diese zum Vorbild in ihrem täglichen Leben nehmen, freue mich, wenn Überlegungen zu Problemen des täglichen Lebens mit klaren Zitaten aus der Bibel verbunden werden, ohne einen erhobenen Zeigefinger zu sehen.

Ja und zwischendurch, zum Ausspannen in anderen Formen und Strukturen, lese ich die Gedichte in Mannheimer Sprache und in Hochdeutsch. Lustiges und Ernstes, Kurzes und Langes, Nachdenkliches und Unmittelbares. Auch hier: Lesen, nicht nur mit den Augen, sondern auch laut lesen, um die einzelnen Worte besser schmecken zu können. Und dabei auch noch ein paar gute Kurpfälzische Schimpfworte merken (kann man ja vielleicht doch mal gebrauchen) und nachfühlen, wie es beim letzten Mal sich oben auf dem Riesenrad über Dürkheim angefühlt hat.

Ich will es ganz deutlich sagen: Das ist ja kein Quatsch, kein Blödsinn, kein inhaltsleerer Spaß, der hier versammelt ist, sondern das, was mich bewegt und beschäftigt kommt in einem Kostüm zu mir, so dass ich auf den ersten Blick meinen könnte, es ginge nur darum, ein paar gute Pointen zu bringen, ein paar Lacher zu erzielen. Aber nur auf den allerersten Blick. Ich bin dankbar, dass Schwöbel ernste Dinge so sagen kann, dass ich trotz aller Probleme noch lachen kann. Das tut mir gut. Ich will die Augen für die vielen Probleme offen halten, aber ich will dabei das Lachen nicht verlernen, ich will – und wenn es noch so schwerfällt – weiter daran glauben, dass das Vergnügte überwiegt. Dabei hilft mir Schwöbel.

Sie meinen jetzt vielleicht, ich übertriebe da ein wenig? Tu ich gar nicht. Mein Tipp: Einfach das Buch kaufen, lesen, ausprobieren, zustimmen, weiterempfehlen, verschenken. Viel Spaß!

Zum Abschluss noch ein Hinweis: Ich habe dann doch einige Stellen meiner Frau vorgelesen und das perfekt Mannheimerisch. Perfekt? Na, zumindest in den Ohren eines norddeutschen Ehepaares, wir waren ganz unter uns, es war kein Pfälzer im Wohnzimmer. Jetzt kommen auch die ruhigen Tage zwischen Weihnachten und dem Neuen Jahr, da kann ich noch weiter üben.

Wolf Eberhardt
Dezember 2012

P.S.
Und da wird ja auch immer wieder deutlich, dass die „Kurpfalz“ sich zu beiden Seiten des Rheines erstreckt. Ja, das möchten wir doch einmal wieder festhalten. Das war auch so bis, na sagen wir bis 1798, als die linksrheinischen Teile der Pfalz zu Frankreich kamen und die rechtsrheinischen Teile, die zu Baden kamen, später als „Kurpfalz“ im Unterschied zur (bayrischen) „Pfalz“ bezeichnet wurden. Leute, das gehört zusammen!

128 S. mit 16 meist farb. Abb. Fester Einband.
ISBN 978-3-89735-754-9. EUR 14,80

 
 
 
 

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