Rainer Single

Single_Portrait

Der Autor Rainer Single, Jahrgang 1942, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gesteinswelt in Pforzheim, im Enzkreis und in der näheren Umgebung zu dokumentieren. Aber er möchte auch Menschen für die Steine begeistern, was er bei Vorträgen, Exkursionen oder Veranstaltungen mit Schulklassen verwirk licht. Als Mitglied im Arbeitskreis Mineralienmuseum Pforzheim ist ihm die Museumspädagogik ein wichtiges Anliegen. So manches Kindergartenkind hat sich in den letzten Jahren von seinen Stein- Geschichten in den Bann ziehen lassen.

 

Was fasziniert Sie an der Welt der Steine?
Zunächst ist da ganz allgemein ein Interesse an der Geologie, das stetig wächst, wenn man 40 Jahre lang am Fuße der Schwäbischen Alb wohnt und dann auch noch die Schüler aus dem weltberühmten Holzmaden unterrichtet. Natürlich habe ich Fossilien gesammelt. Dann bin ich nach Pforzheim gezogen und war geologisch etwas frustriert. Kaum Fossilien, und wenn, keine spektakulären. Aber dann entdeckte ich die lokale Gesteinswelt und merkte, dass ich in ein geologisches Eldorado gezogen war. Das ist jetzt sechs Jahre her.
Das wirklich Besondere im Stadtgebiet von Pforzheim und dem Umland, sprich Enzkreis, ist die verblüffend hohe Zahl an unterschiedlichen Steinen, die der Spaziergänger oder Wanderer am Ackerrand, im Weinberg, im Wald oder am Flussufer entdecken kann. Das hat seinen Grund in den schnell wechselnden Ablagerungsbedingen des frühen Erdmittelalters, aus dem die meisten Steine stammen, und den vielen Landschaften, an denen Pforzheim und der Enzkreis Anteil haben: Schwarzwald, Kraichgau, Heckengäu, Pfinzgebiet, Stromberg und die Flusstäler. Das Steinangebot ist fast viermal so hoch wie am Albtrauf.
Bei den Steinen faszinieren mich zwei Dinge, nämlich das Finden und das Zeigen. Mit Finden meine ich das Entdecken wollen, das Aufspüren, die Jagd nach den Steinen draußen im Gelände, am steilen Hang, im fast undurchdringlichen Dickicht, am schlammigen Flussufer, aber vor allem auch da, wo jeder auf einem Wanderweg vorbeikommt. (Bewusst verwende ich das Wort Steine und nicht Gestein. Ich möchte den Wanderer ohne geologische Vorkenntnisse ansprechen, und für ihn ist ein Brocken Baryt, eine versteinerte Terebratel oder ein Lösskindel auf den ersten Blick eben nur ein Stein, kein Mineral, kein Fossil und auch keine Kalkkonkretion.)
Das Zeigen ist mir fast noch wichtiger. Als ich 15 war, wollte ich Lehrer werden, jetzt mit 72 möchte ich es immer noch sein. Aus diesem Grund führe ich gesteinskundliche Wanderungen durch, halte Vorträge, organisiere mal einen Kindergeburtstag im Steinbruch oder ein Ferienprogramm am Bergwerk und habe ständig Kontakt zu Schulklassen und Kindergärten. Welche Begeisterung man dabei mit den Steinen wecken kann, das ist für mich faszinierend. (Um zwei Beispiele zu geben: Eine Kindergartengruppe besuchte mich im Mineralienmuseum Pforzheim, wo ich viele Führungen mache. Ich stellte der Gruppe die Quarz-Familie vor und dabei auch den lilafarbenen Amethyst, ein neues und schwieriges Wort für einen Fünfjährigen. Dann fuhren die Kinder mit dem Stadtbus wieder in die Kita zurück. Später erzählte mir die Erzieherin, dass die Kinder im Bus ununterbrochen rumgeschrien haben: „Der Amethyst, der Stein, der lila küsst!“ In einem Kind einen Steinnamen zu verankern, das macht Spaß. Als ich Englischlehrer war, habe ich mir den Spaß mit Schülern und Vokabeln geholt. – Kürzlich erklärte ich bei einem Vortrag vor Erwachsenen, dass der Muschelkalk ein sehr weiches Gestein ist. Dann nahm ich ein grobes spitzes Kalkstück und kratzte damit auf den Gläsern meiner Brille rum. Da wird´s still, da passt jeder auf, auch wenn der Brille nichts passiert – das ist faszinierend.)
Das „Zeigen“ über ein Buch ist ein weiterer Schritt, um mit leicht verständlichen Texten, aussagedeutlichen Fotos und ein paar Quizfragen den wandernden Laien anzusprechen. Er soll sich über meine Bücher für die Steine am Wegesrand begeistern, nicht der Geologe und Fachmann, der ist schon begeistert. Den Laien habe ich im Blick, auch den weiblichen, also wird in den Büchern (für den Größenvergleich) zum Stein das Blümlein fotografiert, und beim Text gibt es gar nicht so selten einen kleinen Reim oder auch ein Interview mit einer Bodenplatte... Lustiges muss sachlich nicht falsch sein.

Gibt es geologische Orte, die Sie besonders begeistern?
Das ist die Römerstraße in Pforzheim – so viel Geologie mitten in der Stadt, das ist beeindruckend. Und im Enzkreis sind es die Weinberge von Ölbronn, Illingen oder Schützingen, die mit Dutzenden von bunten unterschiedlichen Steinen verblüffen.
In den letzten beiden Monaten habe ich diese besondere Gesteinswelt von Pforzheim und vom Enzkreis über die Homepage des Pforzheimer Mineralienmuseums ins Internet gestellt. Wie auf die Bilderflut reagiert wurde, hat mich auch fasziniert. Täglich 100 Besucher auf der Homepage. So viel Interesse an diesen Steinen. Wenn bei Google „Steinbilder Pforzheim“ eingegeben wird, führt das recht schnell zu meinen zahlreichen Fotos, die zu einem Großteil auch in meinen drei Büchern zu finden sind. Besonders interessant ist das Gestein „Wurstelmergel“. Hier bietet Google weltweit nur ein einziges Ergebnis, nämlich ein Foto aus meinem zweiten Buch (www.mineralienmuseum-pforzheim.de).

Welche Bücher können Sie zu dieser Thematik empfehlen?
Roselies Gehlig „Zur Geologie und Erdgeschichte von Niefern-Öschelbronn“, Tycho Brahe Verlag, 2002, Niefern-Öschelbronn. Bilder, Texte, Layout, Aufmachung – ein wunderbares Buch zum Thema Stein, Gestein und Versteinerung im Raum Pforzheim.
Hartmut Riehl „Faszination Kraichgau“, verlag regionalkultur, ebenfalls hervorragend gestaltet. Das eine oder andere in diesem Buch wird durch meine Kraichgau-Kapitel unter einem gesteinskundlichen Aspekt gesehen, so dass der Kraichgau mit beiden Büchern noch umfassender, noch ganzheitlicher erlebt und durchwandert werden kann. (Vergleichen Sie doch mal die Seiten 81, 86 und 89 mit meinen Kapiteln im dritten Buch S. 13, 33, 63, 95 oder 103!)

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Rainer Single
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Der Autor Rainer Single, Jahrgang 1942, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gesteinswelt in Pforzheim, im Enzkreis und in der näheren Umgebung zu dokumentieren. Aber er möchte auch Menschen für die Steine begeistern, was er bei Vorträgen, Exkursionen oder Veranstaltungen mit Schulklassen verwirk licht. Als Mitglied im Arbeitskreis Mineralienmuseum Pforzheim ist ihm die Museumspädagogik ein wichtiges Anliegen. So manches Kindergartenkind hat sich in den letzten Jahren von seinen Stein- Geschichten in den Bann ziehen lassen.

 

Was fasziniert Sie an der Welt der Steine?
Zunächst ist da ganz allgemein ein Interesse an der Geologie, das stetig wächst, wenn man 40 Jahre lang am Fuße der Schwäbischen Alb wohnt und dann auch noch die Schüler aus dem weltberühmten Holzmaden unterrichtet. Natürlich habe ich Fossilien gesammelt. Dann bin ich nach Pforzheim gezogen und war geologisch etwas frustriert. Kaum Fossilien, und wenn, keine spektakulären. Aber dann entdeckte ich die lokale Gesteinswelt und merkte, dass ich in ein geologisches Eldorado gezogen war. Das ist jetzt sechs Jahre her.
Das wirklich Besondere im Stadtgebiet von Pforzheim und dem Umland, sprich Enzkreis, ist die verblüffend hohe Zahl an unterschiedlichen Steinen, die der Spaziergänger oder Wanderer am Ackerrand, im Weinberg, im Wald oder am Flussufer entdecken kann. Das hat seinen Grund in den schnell wechselnden Ablagerungsbedingen des frühen Erdmittelalters, aus dem die meisten Steine stammen, und den vielen Landschaften, an denen Pforzheim und der Enzkreis Anteil haben: Schwarzwald, Kraichgau, Heckengäu, Pfinzgebiet, Stromberg und die Flusstäler. Das Steinangebot ist fast viermal so hoch wie am Albtrauf.
Bei den Steinen faszinieren mich zwei Dinge, nämlich das Finden und das Zeigen. Mit Finden meine ich das Entdecken wollen, das Aufspüren, die Jagd nach den Steinen draußen im Gelände, am steilen Hang, im fast undurchdringlichen Dickicht, am schlammigen Flussufer, aber vor allem auch da, wo jeder auf einem Wanderweg vorbeikommt. (Bewusst verwende ich das Wort Steine und nicht Gestein. Ich möchte den Wanderer ohne geologische Vorkenntnisse ansprechen, und für ihn ist ein Brocken Baryt, eine versteinerte Terebratel oder ein Lösskindel auf den ersten Blick eben nur ein Stein, kein Mineral, kein Fossil und auch keine Kalkkonkretion.)
Das Zeigen ist mir fast noch wichtiger. Als ich 15 war, wollte ich Lehrer werden, jetzt mit 72 möchte ich es immer noch sein. Aus diesem Grund führe ich gesteinskundliche Wanderungen durch, halte Vorträge, organisiere mal einen Kindergeburtstag im Steinbruch oder ein Ferienprogramm am Bergwerk und habe ständig Kontakt zu Schulklassen und Kindergärten. Welche Begeisterung man dabei mit den Steinen wecken kann, das ist für mich faszinierend. (Um zwei Beispiele zu geben: Eine Kindergartengruppe besuchte mich im Mineralienmuseum Pforzheim, wo ich viele Führungen mache. Ich stellte der Gruppe die Quarz-Familie vor und dabei auch den lilafarbenen Amethyst, ein neues und schwieriges Wort für einen Fünfjährigen. Dann fuhren die Kinder mit dem Stadtbus wieder in die Kita zurück. Später erzählte mir die Erzieherin, dass die Kinder im Bus ununterbrochen rumgeschrien haben: „Der Amethyst, der Stein, der lila küsst!“ In einem Kind einen Steinnamen zu verankern, das macht Spaß. Als ich Englischlehrer war, habe ich mir den Spaß mit Schülern und Vokabeln geholt. – Kürzlich erklärte ich bei einem Vortrag vor Erwachsenen, dass der Muschelkalk ein sehr weiches Gestein ist. Dann nahm ich ein grobes spitzes Kalkstück und kratzte damit auf den Gläsern meiner Brille rum. Da wird´s still, da passt jeder auf, auch wenn der Brille nichts passiert – das ist faszinierend.)
Das „Zeigen“ über ein Buch ist ein weiterer Schritt, um mit leicht verständlichen Texten, aussagedeutlichen Fotos und ein paar Quizfragen den wandernden Laien anzusprechen. Er soll sich über meine Bücher für die Steine am Wegesrand begeistern, nicht der Geologe und Fachmann, der ist schon begeistert. Den Laien habe ich im Blick, auch den weiblichen, also wird in den Büchern (für den Größenvergleich) zum Stein das Blümlein fotografiert, und beim Text gibt es gar nicht so selten einen kleinen Reim oder auch ein Interview mit einer Bodenplatte... Lustiges muss sachlich nicht falsch sein.

Gibt es geologische Orte, die Sie besonders begeistern?
Das ist die Römerstraße in Pforzheim – so viel Geologie mitten in der Stadt, das ist beeindruckend. Und im Enzkreis sind es die Weinberge von Ölbronn, Illingen oder Schützingen, die mit Dutzenden von bunten unterschiedlichen Steinen verblüffen.
In den letzten beiden Monaten habe ich diese besondere Gesteinswelt von Pforzheim und vom Enzkreis über die Homepage des Pforzheimer Mineralienmuseums ins Internet gestellt. Wie auf die Bilderflut reagiert wurde, hat mich auch fasziniert. Täglich 100 Besucher auf der Homepage. So viel Interesse an diesen Steinen. Wenn bei Google „Steinbilder Pforzheim“ eingegeben wird, führt das recht schnell zu meinen zahlreichen Fotos, die zu einem Großteil auch in meinen drei Büchern zu finden sind. Besonders interessant ist das Gestein „Wurstelmergel“. Hier bietet Google weltweit nur ein einziges Ergebnis, nämlich ein Foto aus meinem zweiten Buch (www.mineralienmuseum-pforzheim.de).

Welche Bücher können Sie zu dieser Thematik empfehlen?
Roselies Gehlig „Zur Geologie und Erdgeschichte von Niefern-Öschelbronn“, Tycho Brahe Verlag, 2002, Niefern-Öschelbronn. Bilder, Texte, Layout, Aufmachung – ein wunderbares Buch zum Thema Stein, Gestein und Versteinerung im Raum Pforzheim.
Hartmut Riehl „Faszination Kraichgau“, verlag regionalkultur, ebenfalls hervorragend gestaltet. Das eine oder andere in diesem Buch wird durch meine Kraichgau-Kapitel unter einem gesteinskundlichen Aspekt gesehen, so dass der Kraichgau mit beiden Büchern noch umfassender, noch ganzheitlicher erlebt und durchwandert werden kann. (Vergleichen Sie doch mal die Seiten 81, 86 und 89 mit meinen Kapiteln im dritten Buch S. 13, 33, 63, 95 oder 103!)

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