Jürgen Alberti

Jürgen Alberti

Jürgen Alberti wurde 1937 in Jena/Thüringen geboren. Bis 1953 – dem Jahr seiner Flucht in die Bundesrepublik – wurde er noch da sozialisiert, danach in Ostwestfalen. Nach dem Abitur 1959 studierte er Biologie und Geographie in Münster und Tübingen, machte 1965 in Münster das 1. Staatsexamen und nach dem Besuch des Lehrerseminars in Gelsenkirchen das 2. Examen 1966. Von 1967 bis 2000 unterrichtete er dann seine Fächer an der Realschule Bad Schönborn. Über die Mitwirkung in verschiedenen Vereinen und Organisationen, u.a. NABU und Arbeitsgemeinschaft Heimische Orchideen Baden-Württemberg, kamen inzwischen mehrere hundert Vorträge und Exkursionen, seit etwa 1995 auch diverse Veröffentlicheungen zur Natur- und Kulturgeschichte des Kraichgaus, dazu.


Herr Alberti, ob Natur- oder Heimatkunde, Geografie oder Geologie, das sind nur ein paar Themenbereiche in denen Sie sich als versierter Kenner, eine Art Tausendsassa, ausweisen können. Was treibt Sie an, in so vielen unterschiedlichen Wissensgebieten zu Hause zu sein?

Von der Kindheit an habe ich mich mit der Natur völlig unsystematisch beschäftigt. Viel zu spielen gab es nach dem Krieg nicht, der Spielplatz war „draußen“. Nachdem ich endlich lesen konnte, habe ich etwa 20 gebundene Jahrgänge des KOSMOS, eine früher berühmte naturwissenschaftliche Zeitschrift, die mein Großvater gesammelt hatte, im Sinne des Wortes „verinnerlicht“. Dabei habe ich gelernt, was für Wissensgebiete da alles gibt. Das ist geblieben, heute lese ich SPEKTRUM der Wissenschaft.

Schön ist ja auch, dass Sie Fotograf und Autor in Personalunion sind. Welche Leidenschaft wurde bei Ihnen zuerst geweckt?
Das Fotografieren begann schon in der Familie. Mein Vater brachte uns den Umgang mit der Kamera und das Herstellen der Bilder im Labor bei. Viel dazu gelernt habe ich auf einer Photo-AG am Gymnasium, mit dem Ergebnis, dass ich das danach rund 20 Jahre auch als Lehrer fortgesetzt habe. Meinen ersten Farbdiafilm habe ich 1966 belichtet, z.T. mit Bildern von Pflanzen.

"Burgen und Schlösser im Kraichgau" ist Ihr neuestes Werk, das Sie in Zusammenarbeit mit Hartmut Riehl neu und überarbeitet vorstellen. Wie kann man dem Leser einen so komplexen Sachverhalt, der ja unter anderem die Wissensbereiche Geschichte, Architektur und Heraldik berührt, verständlich näherbringen?
Seit meinem Umzug aus dem Ruhrgebiet nach Baden 1966 habe ich mich mit dem „Kraichgau“ beschäftigt, einem damals geografisch noch nahezu völlig unbekannten Gebiet. Es gab noch ein Schulfach „Erdkunde“, wo man im Heimatort begann und dann das Feld allmählich erweiterte. „vom Nahen zum Fernen“ hieß das in der Pädagogik. Ich musste mir also zwangsläufig die „neue Heimat“ erkunden und dabei ist bis heute geblieben
Interesse an der Kunst führte über die Architektur der Gebäude sofort auch zur Geschichte. Die Heraldik ist nicht mein Fachbereich, aber Kenntnisse habe ich auch da schon aus der Kindheit, denn damals sammelte man kein Fußballerportraits, sondern Wappen in sog. Zigarrenbilderalben. „Verständliches Vermitteln“ gehört zum Handwerk des Lehrers. Das merkt man dem Text von Hartmut Riehl in jeder Zeile an, deshalb brauchte ich nur den aktuellen Stand zur Burgenkunde im Kraichgau herstellen und mich bei Ergänzungen seinem Stil so gut wie möglich anpassen.

Bei der Recherche zu diesem Buch haben Sie ja eine Vielzahl von Burgen des Kraichgau persönlich besucht - gibt es hier eine besonders interessante Geschichte, die Ihnen bei diesen Recherche-Reisen passiert ist?
Beeindruckend waren z.B. die Führung im Schlösschens „Sorgenfrei“ in Mauer durch die derzeitige Bewohnerin: spätbarocke Pracht in einem Bau mit einer Wohnfläche kleiner als jedes Einfamilienhaus und das freundliche Entgegenkommen des Barons von St. Andre im genauen Gegenteil, einer noch heute in ihrer Vollkommenheit wirklich repräsentativen Anlage in Königsbach. Sogar für die zahlreichen verstorbenen Hunde gibt es im Schlossgarten einen gepflegten Friedhof.

Ihre alte Heimat ist Thüringen. Nun leben Sie ja schon viele Jahre in der "Badischen Toskana". Wie würden Sie Ihre Verbundenheit mit unserer Region beschreiben?
Die ist im Laufe von fast 50 Jahren einfach gewachsen und die Verbundenheit ergibt sich nun durch die Kenntnis inzwischen jeden Ortes. Zugleich ist damit gekoppelt aber leider auch das Wissen um viele abgegangene erhaltenswerte Gebäude und eine in dieser Schnelligkeit noch nie dagewesene „Umgestaltung“ der Feldflur.

Viele kennen Sie auch als einen passionierten Pflanzen- und Tierfreund. Gibt es zur Fauna und Flora jeweils eine Lieblingsart oder Gattung, die Sie besonders in den Bann zieht?
Ich bin von Hause aus – d.h. von Anfang an mit besonderem Interesse – Ornithologe. Die No. 1 in meiner Kinderbibliothek hat „Der Kuckuck“. Am Gymnasium noch in der ehem. DDR war ein Herbarium Pflicht. Seit der Zeit kamen die Orchideen dazu und für deren Schutz engagiere ich mich seit 1975 auch in der „Arbeitsgemeinschaft Heimische Orchideen Baden-Württemberg (AHO)“.

Bei so vielen kräftezehrenden Aktivitäten auch nach Ihrer aktiven Zeit als Pädagoge haben Sie doch bestimmt einen Ort oder eine Methode, um wieder Kraft zu schöpfen . Wollen Sie uns diese(n) verraten?
Solche Methoden habe ich nicht. Die kräftezehrenden Aktivitäten fielen oder fallen überwiegend in die Ferien und die Zeit des Ruhestandes, vorher wären sie zeitlich mit ordentlicher Arbeit an einer Schule nicht vereinbar gewesen. Das mehr oder wenig nebenher angesammelte Material, vor allem Dias, wurde erst ab etwa 1995 auswertet.Sie sind zudem nicht „kräftezehrend“, sondern sehr erholsam!

Haben Sie einen speziellen Buchtipp für naturkundlich oder geschichtlich interessierte Leser?
Für die einen von Roland Thomann „Schicksal einer Landschaft“ - Ein Lesebuch zur Geschichte des Kraichgaus und seiner Orte - ; für die anderen den „Naturführer Kraichgau“.

 
   
 
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