Erwin von Baelz im Literaturblatt

Unser Titel "Erwin von Baelz" wurde im Literaturblatt Baden-Württemberg mit einer durchaus positiven Rezension besprochen. Das über 500 Seiten starke Werk widmet sich dem Leben des gebürtigen Bietigheimers, der in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in Japan viel für die Modernisierung der Medizin tat und zeitweise Leibarzt des Tenno war.

Hier die Rezension im Wortlaut, abgedruckt im Literaturblatt Baden-Württemberg, 3,4/2015:

Erwin von Baelz: Eine Straße in Stuttgart-Degerloch ist nach ihm benannt und das Hornmoldhaus in Bietigheim widmet dem berühmten Sohn der Stadt, der dort 1849 als Erwin Otto Eduard Bälz geboren wurde, eine ständige Ausstellung. Nun ist eine umfassende und reich bebilderte Biografie des großen Humanisten, Arztes und Kulturvermittlers zwischen Japan und Deutschland zu entdecken. Die Japanologin Susanne Germann war während ihres wissenschaftlichen Volontariats im Linden-Museum in Stuttgart, dessen Ostasien-Abteilung viele Objekte der Sammlung Baelz besitzt, auf ihn aufmerksam geworden und promovierte bereits 2006 über seine damals unveröffentlichten Reisetagebücher.

In sieben Kapiteln zeichnet die Biografie den Lebensweg von Baelz nach. Er verbrachte seine Kindheit in Bietigheim und die Schulzeit in Stuttgart; das Studium der Medizin begann er in Tübingen und setzte es in Leipzig fort. Dort wurde es durch den Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 unterbrochen, in dem Baelz im Feldlazarett diente. Der Assistenzzeit in Leipzig folgte der Ruf nach Tokyo als Professor für Innere Medizin, und damit die entscheidende Wende in seinem Leben.

Die Jahre in Japan nehmen mit 200 Seiten dann auch den größten Teil der Biografie ein. Baelz hatte nach der erzwungenen Öffnung des Inselreiches die Aufgabe, die medizinische Fakultät nach westlichem Vorbild mit aufzubauen und lehrte dort 26 Jahre lang. Auch als Praktiker war er gefragt, am Hofe des Tenno behandelte er sehr erfolgreich den Kronprinzen. Er wies das modernisierungsvernarrte Japan auf erhaltenswerte Traditionen hin und heiratete eine Japanerin. Germann stellt dieses reiche Leben in den Kontext der bewegten Geschichte des jungen Meiji-Staates und beschreibt plastisch die weltoffene Persönlichkeit von Baelz. Dabei lässt sie ihn selbst in ausführlichen Zitaten aus seinen Tagebüchern und Briefen zu Wort kommen. Der Biografie vorangestellt ist ein Abriss der Baelz-Rezeption in Japan und Deutschland ab seinem Todesjahr 1913, die wechselvoll und ideologisch verlief, besonders während der Vereinnahmungsversuche durch die Achse Berlin-Rom-Tokyo. Für die künftige Rezeption liegt mit diesem Buch nun ein fundiertes Standardwerk vor.

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